Das Wetter könnte nicht besser sein am heutigen Tag. Fast windstill und keine Wolken in ganz Bayern. Patrick und ich wollen das ausnutzen und eine Tour durch Bayern fliegen. Dabei wollen wir möglichst viele neue Flugplätze sehen und kennenlernen.
Meine Vorplanung hatte es durchaus in sich gehabt. Gute vier Stunden verbrachte ich mit dem Austüfteln der Route und mit der Abklärung (so gut wie überall mit Telefonaten) welche Flugplätze eine UL-Zulassung haben und wo wir landen oder ein Touch & Go machen können.

Um 13.30 Uhr geht es in Ampfing los. Unsere Breezer ist vollgetankt und braucht daher auch ein paar Meter mehr für den Startlauf auf Piste 09. Nach Kelheim fliegen wir kurze Zeit entlang des Altmühltals. Auf Höhe Riedenburg drehen wir nach Norden ab. Unser erstes Touch & Go ist am UL-Flugplatz Forst Sengenthal in der Oberpfalz geplant. Dessen gepflegte Grasbahn misst 300x20m. Durchaus machbar für unsere Breezer, aber bei dem immer noch ziemlich hohen Gewicht möchte ich ungern auf der kurzen Piste starten. Also Touch & Go. Wie gesagt, netter gemütlicher Platz mit guter Piste.

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Wir bleiben in der Oberpfalz und schon wenig später befinden wir uns im Gegenanflug auf die Piste 09 am Segelflugplatz Fichtelbrunn. Der Platz ist dahingehend speziell, dass nur auf der 09 gelandet und nur auf der 27 gestartet werden darf. Dies ist dem Gelände geschuldet. Die Piste 09 steigt leicht an und hinter dem Bahnende befindet sich ein Wald. Patrick setzt das Hauptfahrwerk weich auf den Asphalt. Die Bahn ist zwar 30m breit, doch nur ein kleiner Streifen von ca. 6m ist asphaltiert. Durch das ansteigende Gelände reichen die 500m Bahnlänge locker aus.

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Sehr idyllisch ist es hier. Leider haben wir kaum Zeit und müssen weiter.

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Nach kurzer Zeit starten wir wieder auf der 27, bergab. Es sind nur wenige Flugminuten bis zu unserem nächsten Ziel, dem Segelflugplatz Hersbruck in Mittelfranken. Dort fliegen wir direkt auf die Piste 28 zu. Die Besonderheit an diesem Flugplatz ist, dass es zwei Grasbahnen gibt, welche fast in die gleiche Richtung zeigen und hintereinander liegen, aber voneinander getrennt sind. Eine interessante Anordnung.

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Im Abflug ergibt sich ein schöner Blick auf die Stadt Hersbruck.

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Unser nächstes Ziel liegt in Oberfranken: Pegnitz-Zipser Berg (EDQZ). Auch dieser Flugplatz ist äußerst gepflegt und ist unter dem Gras mit Gummimatte verstärkt. Ein Luxus wie wir es uns in Ampfing wünschen würden…

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Nach einem Touch & Go geht es zurück in die Oberpfalz. Dort wollen wir den Segelflugplatz Erbendorf anfliegen. Am Funk empfängt uns tiefster oberpfälzer Dialekt. Da wir den Platz erst im letzten Moment entdecken, müssen wir nochmal einen 360 fliegen, um Höhe abzubauen und wieder in den Anflug auf die Piste 12 zu kommen. Hier erwartet uns eine sehr feine 700x30m messende Asphaltbahn. Wir berühren kurz den Boden und steigen wieder zurück in den Himmel. Eine Landegebühr gibt es hier nicht, aber wir überweisen gerne eine kleine Spende aufs Vereinskonto.

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Es geht zurück nach Oberfranken. Der Segelflugplatz Tröstau ist unser nächstes Ziel. Dort mache ich den Anflug. Denn den Platz sollte man nur mit viel Erfahrung anfliegen. Wer auf die Webseite des Flugplatzes schaut, merkt gleich, dass der An- und Abflug dort komplizierter als auf anderen Plätzen ist. Es gibt zwei Graspisten, die einander überlappen: die 12/30 und die 13/31, jeweils 540x30m. Am Telefon hatte man mir gesagt, ich solle die 31 anfliegen. Im Anflug auf die 31 liegt vor dem Flugplatz noch die Ortschaft und unmittelbar vor der Schwelle der 31 führt eine Bundesstraße vorbei, welche in ausreichendem Abstand überflogen werden muss. Doch dann sollte man in einen steileren Anflugswinkel übergehen, um nicht zu weit in die Bahn hineinzulanden. Sie ist zwar deutlich gebogen, steigt also nach der Hälfte an, aber 540m sind auch nicht unendlich. In der Tat ist der Anflug spektakulär und macht richtig Spaß. Anfliegen darf man auch nur, wenn man eine zweiseitige Belehrung über den korrekten An- und Abflug gelesen und unterschrieben an den Flugplatz zurückgeschickt hat.

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Nach dem Abheben auf der 31 hole ich ein bisschen nach rechts in Richtung Häuser aus und gehe dann in eine langgezogene Linkskurve über. Diese führt knapp über den ansteigenden Wald und einen Steinbruch. Viel Luft ist da nicht. Nach etwa 180° passieren wir den Flugplatz noch einmal im Süden, bevor es weiter auf Strecke nach Zell-Haidberg geht.

Zell-Haidberg (EDNZ) weist eine schöne langschaftliche Lage auf. Die 750x30m messende Grasbahn ist auf 600m mit Asphalt verstärkt.

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Unser nächster Flugplatz, Ottengrüner Heide (EDQO), liegt direkt an der CTR Hof. Auch hier erwartet uns eine Asphaltbahn (650x12m).

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Den nördlichsten Punkt unserer Route heute bildet der Segelflugplatz Kronach. Die Grasbahn liegt nördlich der Stadt auf einem Bergrücken.

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Im Abflug genießen wir einen tollen Blick auf die Festung Rosenberg und die darunter liegende Altstadt von Kronach.

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Wir fliegen unserem eigentlichen Ziel Coburg entgegen. Plötzlich sehe ich direkt vor uns auf gleicher Höhe ein schwarzes kleines Objekt, welches ich wenige Sekunden später als Heliumluftballon identifiziere. Wir fliegen einen Bogen drum herum. Kurze Zeit später sehen wir noch einen zweiten. Zum Glück bleibt es bei diesen beiden.

Coburg hat gleich zwei Flugplätze und diese sogar direkt nebeneinander. Bisher bin ich immer in Coburg-Brandensteinsebene, dem größeren der beiden, gelandet. Doch heute fliegen wir Coburg-Steinrücken (EDQY) an. Dessen Grasbahn ist leicht gewellt und schön breit.

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Etwa in der Mitte kreuzt ein geteerter Weg, der bei den heutigen 24°C von Fußgängern und Radfahrern gut frequentiert ist. Deswegen ist eine Ampel an beiden Seiten der Piste unerlässlich. Doch nicht immer wird diese von Radfahrern respektiert, wie wir nach unserer Landung live miterleben. Eine C-42 ist im Endanflug kurz vor dem Aufsetzen, doch trotz roter Ampel kreuzen drei lebensmüde Radfahrer. Die C-42 muss durchstarten.

Wir tanken auf, füllen unsere Mägen mit Brotzeit und genießen das frühlingshafte Wetter. Einer der Leute vom Flugplatz kommt zu uns und sagt, dass er unsere Maschine kenne und dass wir die YouTuber sein müssen. Ich stehe erst auf dem Schlauch und weiß nicht was er meint, doch dann erklärt er uns, dass er die Videos von bzw. mit der D-MFSM kenne, welche unser Charterer Lucas regelmäßig produziert und ins Netz stellt. Schon erstaunlich, dass wir dadurch hier im Norden Bayerns bekannt sind.

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Um 16.47 Uhr starten wir wieder. Bis zu unserem ersten Touch & Go dauert es nicht lange. Der Flugplatz Lichtenfels (EDQL) liegt nur wenige Flugminuten entfernt. Die Grasbahn dort ist großzügig dimensioniert.

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Im Abflug geht es direkt am Kloster Banz vorbei.

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Weiter geht es nach Ebern-Sendelbach (EDQR). Auch dort erwartet uns eine geschmeidige große Grasbahn. Das besondere daran ist, dass die Grenze zweier Regierungsbezirke die Piste in der Mitte teilt. Der westliche Teil gehört zu Unterfranken, der östliche zu Oberfranken.

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Nur wenige Flugminuten südlich wird es noch einmal spannend. Um die Anwohner neben dem UL-Flugpl7atz Burgebrach vor Lärm zu schützen, muss man für einen Anflug auf die 10 sehr eng einkurven. Für kleinere ULs oder Trikes ist die Platzrunde sicherlich groß dimensioniert, doch für unsere Breezer ist es mehr oder weniger eine scharfe 180°-Kurve vom rechten Gegenanflug in den Endanflug. Da die in den ersten Metern leicht ansteigende Piste hier nur 290x20m misst, bleibt für uns nur ein Touch & Go.

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Der Segelflugplatz Friesener Warte ist ein weiteres Highlight. Auf einem Plateau hoch über der umgebenden Landschaft liegend bietet dieser Platz eine buckelige staubige Grasbahn mit wenig Infrastruktur. Mehrere Wanderer genießen das Panorama an der Steilkante, welche sich direkt vor der Landebahn befindet. Am Ende der 670m langen Piste steigt das Gelände mit Hügel und Wald an. Nach einem schnellen Touch & Go drehen wir daher gleich am Pistenende nach links ins Tal ab.

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Kurz vor der CTR Nürnberg befindet sich der Segelflugplatz Dobenreuth. Telefonisch wurde mir mitgeteilt, dass ein Touch & Go nicht empfohlen wird, da die Bahn noch ziemlich durchnässt sei. Doch im Anflug teilt man uns über Funk mit, dass die Piste nun soweit abgetrocknet wäre und man aufsetzen könne. Also Touch & Go. Sehr freundlich!

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Durch die CTR und über den Flughafen Nürnberg sowie die Stadt selbst geht es zum Segelflugplatz Weißenburg-Wülzburg in Mittelfranken. Dort muss man eine Full stop-Landung machen, denn die leicht gewellte asphaltierte Bahn steigt mit dem Gelände in Richtung 05 an und hinter dem Bahnende befindet sich ein Waldgebiet. Da wir schon sehr knapp in der Zeit sind, rollen wir nach der Landung bis zum Ende der Piste aus, drehen um und starten gleich wieder in die entgegengesetzte Richtung 23. Schade dass wir nicht mehr Zeit haben, denn der Platz liegt wirklich wunderschön in hügeliger Landschaft. Die Landegebühr dürfen wir per Überweisung begleichen. Sehr nett!

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Es geht zurück nach Oberbayern. Direkt am nördlichen Rand der CTR Ingolstadt liegt der Segelflugplatz Ingolstadt-Etting. Dort fliegen wir direkt in den Endanflug auf die Piste 10. Wir wurden vorab bereits über möglichen Modellflug auf der Bahn informiert. Genau diesen sehen wir auch kurz vor dem Aufsetzen. Er findet zum Glück am anderen Ende der Piste statt und die Modellpiloten wurden telefonisch über unser Kommen gegen 18.00 Uhr informiert. Da wir nur kurz am Boden sind und gleich danach wieder steil in den Himmel steigen, können wir den Modellflug gefahrlos überfliegen.

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Am Ende der Grasbahn muss steil 90° nach rechts abgedreht werden. Dies bringt uns gleich auf Kurs CTR Ingolstadt. Diese ist heute nicht aktiv, lediglich Manching Info, die dortige Flugsportgruppe, meldet sich am Funk. Auf Nachfrage dürfen wir auf 2300ft eine Runde über dem Militärflughafen drehen. Das nutzen wir aus und ich kann ein paar Aufnahmen der abgestellten Airbus A400M, einer C-160 Transall und P-3 Orion machen.

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Fürs letzte Leg von Ingolstadt nach Ampfing übernehme ich das Steuer und Patrick kann sich entspannen. Perfekt in der Zeit geht es auf gerade Linie zurück zu unserem Heimatplatz. Kurz vor 19.00 Uhr landen wir zusammen mit unserem eigenen Schatten in tiefstehender Sonne auf der 09.

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Ein schöner Abschluss einer anstrengenden, aber sehr erlebnisreichen und schönen Halbtagestour. Unser Flugbuch ist nun um 17 neue Flugplätze, die wir heute angeflogen haben, knapp fünf Flugstunden sowie knapp 700 abgeflogene Kilometer reicher.

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