Eigentlich wollten Patrick und ich schon in der Früh starten und auch weiter wegfliegen, doch diesen Plan machte wie so oft im Herbst der Nebel in Ampfing zunichte. Am Nachmittag verbessert sich das Wetter, doch der bereits äußerst frühe Sonnenuntergang um 16.18 Uhr lässt keine großen Touren mehr zu.

Wir entscheiden uns daher für einen Flug nach Sonnen (EDPS). Da war Patrick noch nie und auch mein letzter Besuch dort liegt mehrere Jahre zurück. Ein kurzer Anruf am Platz bestätigt, dass dieser geöffnet ist. Zudem bekommen wir die Info, dass die Bahn mit 2-3cm lockerem Schnee bedeckt sei. Das scheint also interessant zu werden …

Mit 990hP ist das QNH heute äußerst niedrig. Ich kann mich nur an einen einzigen Tag in der Vergangenheit mit einem noch geringerem QNH erinnern.

Um 14.15 Uhr starten wir auf Piste 09. Schon bald nach dem Abheben fällt uns die interessante Wolken- und Lichtstimmung auf. Im Westen Bayerns zieht eine Schlechtwetterfront von Südwesten nach Nordosten, im Osten drückt starker Föhn aus Südosten kommend. Das kann man auch gut an den Wolken erkennen.

Trotz 20-25kts Seitenwind auf unserer Reiseflughöhe kommen wir gut und ohne Turbulenz voran. Erst nach gut 30min Flugzeit, als wir uns schon im Anflug auf den Flugplatz Sonnen befinden, erwischen uns erste Leeturbulenzen von den Bergen des Bayerischen Waldes.

Wenige Minuten vor Erreichen des Platzes funke ich. Gleich beim ersten Mal bekomme ich Funkkontakt. Andernfalls fliegt man in Sonnen erst über den Platz, sodass der Besitzer einen hört und dann den Funk einschaltet.

Wie telefonisch besprochen bekomme ich noch einmal die Info, dass 2-3cm lockerer Schnee auf der Asphaltbahn liegt und ein teilweise böiger Ostwind mit 10-17kts weht. Bei einer Pistenausrichtung von 200° wird uns dieser direkt von der Seite treffen. Da das Gelände hüglig und bewaldet ist, rechnen wir mit stärkeren Leeturbulenzen bei der Landung.

Ich mache den ersten Anflug auf die 20. Tief über den Steinbruch geht es der ansteigenden Piste entgegen.

Die Leeturbulenzen treffen uns teilweise ganz schön hart, ich muss viel korrigieren.

Da ich bewusst mit etwas mehr Fahrt als üblich über die Schwelle fliege, schwebt die Maschine ziemlich weit. Die Piste ist stärker gebogen, das Ende für den Piloten nicht sichtbar. Wenn man die Halbbahnmarkierung nicht sieht, weiß man nicht, wieviel Bahn nach der Kuppe noch übrig ist. Und genau diese kann ich aufgrund des düsteren Lichts und Schnees nicht erkennen. Also lieber durchstarten, auch wenn man gerade kurz vor dem Aufsetzen ist. Die Piste misst ja doch nur 650x10m. Erst als ich wieder Vollgas gegeben habe, sehe ich die Halbbahnmarkierung und dann auch das verbleibende Bahnende. Hätte locker gereicht, aber Sicherheit geht vor.

Zweiter Versuch. Ich gestalte ihn genauso wie beim ersten Mal, denn auch bei längerem Ausschweben hätte die Bahn beim ersten Mal locker ausgereicht. Eine etwas erhöhte Anflugsgeschwindigkeit um die 120km/h ist bei den Leeturbulenzen heute definitiv angeraten.

Da ich aufgrund der gleichmäßig weißen Schneedecke keinerlei Konturen auf der Bahn erkennen kann, fällt mir auch die Einschätzung der Höhe über Grund schwer. Daher drückt sich die Breezer nach dem Aufsetzen noch zweimal leicht vom Boden ab und macht kleine Hüpfer. Eine schöne Landung sieht anders aus, aber unter den gegebenen Umständen ist das vor meinem Ego vertretbar.

Die Piste steigt an, wir brauchen keine Bremse. Die könnte man aufgrund der Schneeglätte sowieso nur unter größter Vorsicht einsetzen. Am Vorfeld stellen wir die Maschine ab. Der Besitzer kommt aus der KFZ-Werkstatthalle, die direkt an das Vorfeld grenzt und begrüßt uns.

Sonnen ist mit 2702ft Bayerns höchster Flugplatz und es gibt auch nicht viele im restlichen Deutschland, die höher sind. Der höchste Flugplatz, die Wasserkuppe (EDER), ist mit 2959ft nur unwesentlich höher. Durch den Föhn im Süden sind die Berge der Alpen wunderschön zu sehen.

Leider können Patrick und ich nicht lange bleiben, denn die Sonne wird bald untergehen. Also wieder rein in den Flieger und Motor starten. Normalerweise startet man in Sonnen bergab. Doch ich möchte nur ungern in die heutigen Leeturbulenzen über dem Kieswerk hineinfliegen, gerade wenn man noch wenig Höhe hat. Da der Wind heute genau von der Seite kommt, entscheide ich mich für einen Start bergauf. In dieser Richtung fällt das Gelände nach der Piste ab und es stehen keine Hindernisse im Weg. Das wiegt die längere Startrollstrecke wieder auf.

Beim Herunterrollen zum Startpunkt der 20 erspähen wir unsere Aufsetzspuren im Schnee. Ich sehe deutlich, dass meine Landung zuvor nicht schulbuchmäßig war. Das linke Haupt- und Bugrad hatten zuerst Bodenkontakt, danach das rechte Hauptrad mehr oder weniger alleine und einige Meter weiter dann erneuter Bodenkontakt. Wie gesagt, stolz darauf bin ich nicht, aber es war wichtig, dass der Anflug und die Landung sicher sind.

Gegen 15.25 Uhr gebe ich Vollgas. Mit vorsichtigem Seitenrudereinsatz bringe ich das Bugrad sehr früh in die Luft. Damit verringere ich zwar einerseits die Bodenhaftung und somit die Möglichkeit, dem Seitenwind gegenzusteuern, andererseits gewinne ich dadurch aber mehr Beschleunigung mit kürzerer Startrollstrecke, da nur zwei statt drei Räder bremsende Reibung im Schnee erzeugen. Das Seitenruder der Breezer hat ausreichend Wirkung und so kann ich den Seitenwind ohne Probleme ausgleichen. Da die Piste leicht ansteigt, hat man gegenüber der Umgebungsluft schon vor dem Abheben automatisch einen höheren Anstellwinkel als bei einer ebenen Bahn. Daher halte ich die Maschine nach dem Abheben noch so lange knapp über dem Asphalt, bis die Geschwindigkeit für einen sicheren Steigflug ausreicht.

Gleich am Ende der Bahn erfassen uns wieder wie erwartet starke Leeturbulenzen und der stramme Ostwind. Mein Vorhaltwinkel beträgt um die 30°!

Kurz nachdem Patrick auf Kurs Richtung Heimat gedreht hat, bietet sich uns wieder ein faszinierendes Wolkenlichtspiel.

Wir fliegen genau über Passau. Dessen Kirchtürme werden gerade von den letzten flachen Sonnenstrahlen beleuchtet.

Als wir kurz vor Ampfing wieder zurück unter blauem Himmel sind, durchfliegen wir ein richtiges Spotlight aus Sonnenstrahlen. Sowas begeistert mich als Hobbyfotograf natürlich!

Da wir rechtzeitig zurück sind, gönnen wir uns nach Absprache mit Hannes noch drei Platzrunden auf unserem Heimatflugplatz, bis wir dann zehn Minuten nach Sonnenuntergang endgültig landen und unseren interessanten Tagesausflug beenden.