Kürzlich habe ich von einem Fliegerfreund den Tipp bekommen, nach Colmar in Frankreich zu fliegen. Das soll ein sehr schönes Städtchen im Elsass sein. Sven und ich entscheiden uns, dieser Empfehlung nachzukommen.

Der 14. Juli ist in Frankreich der Nationalfeiertag. Was für ein Zufall, dass wir genau an diesem Tag um 08.15 Uhr mit dem Take off in Ampfing (EDNA) unsere Tagestour beginnen.

Unsere Route führt uns zunächst über die Stadt München. Dann an Memmingen vorbei. Kurz vor der Schwäbischen Alb melde ich mich von Langen Information ab und bei Zürich Information an: „Zürich Information, D-MVBR, grüezi!“ FIS: „D-MVBR, Zürich Information, grüezi, pass your message!“ „D-MVBR, microlight Breezer, VFR from Ampfing to Freiburg, present position abeam Mengen, 4700ft, squawk 7000, request traffic information!“ FIS: „D-BR, squawk 4250, next report Schwenningen!“

Die Schwäbische Alb mit seinen vielen Tälern und Bergen ist immer wieder schön. So genießen wir z.B. einen Panoramablick auf das Donautal westlich von Sigmaringen.

Nach der Schwäbischen Alb folgt der Schwarzwald. FIS: „D-BR, next report when change over to Freiburg!“ Von Ost nach West ist der Schwarzwald nicht wirklich breit. Man hat ihn schnell überquert.

Wenige Minuten vor Erreichen von Freiburg melde ich mich bei der FIS ab. Es ist bereits das flache Elsass mit den dahinter liegenden Bergen der Vogesen zu sehen. Davor liegt die Stadt Freiburg mit dem Flugplatz (EDTF) am Stadtrand.

Obwohl leicht südlicher Wind, bekommen wir die 34 für die Landung zugewiesen. Das freut uns, denn dieser Anflug verläuft spektakulär über die Innenstadt von Freiburg.

Nach etwa 2:15 landet Sven die Breezer und rollt zur Tankstelle. 1,68€ kostet hier der Liter Super. Wir machen voll.

Bereits vor dem Start in Ampfing hatte ich unseren Flugplan für den Weiterflug bei der DFS aufgegeben. Unsere Startzeit läuft für 11.00 Uhr. Das passt perfekt, um aufzutanken und noch einmal das Routing bis zu unserem Ziel durchzugehen.

Kurz nach der angegebenen Zeit heben wir wieder ab. Unser Kurs ist eine gerade Linie hinüber nach Colmar. Langen Information ist nicht erreichbar. Daher melde ich mich gleich bei Bale Info an: „Bale Info, D-MVBR, bonjour!“ FIS: „D-MVBR, bonjour!“ Wir bekommen auf Englisch mit starkem französischem Akzent einen Squawk zugewiesen und können unsere Route wie geplant abfliegen. Nachdem wir den Rhein überquert haben, sind wir in Frankreich.

Nur wenige Minuten, nachdem ich den zugewiesenen Squawk eingedreht hatte, darf ich ihn auch schon wieder zurück auf 7000 stellen: „D-MVBR, do you have Colmar in sight?“ „D-MVBR, airport in sight“. FIS: „D-MVBR, then squawk 7000 and contact Colmar TWR on 119,00, bonne journée!“

Auch Colmar TWR spricht gutes Englisch. Aber hinhören muss man bei dem Akzent schon genau. Wir dürfen direkt in den Gegenanflug auf die 19 einfliegen.

Die Stadt Colmar liegt am Fuße der Vogesen. Das gibt ein schönes Panorama ab.

„D-BR, wind 100 degrees 6kts, cleared to land RWY 19!“ Obwohl Colmar Houssen (LFGA) ein unkontrollierter Flugplatz ohne CTR ist, funkt der Tower wie ein Großer.

Nach der Landung um 11.30 Uhr nach nur knapp 20min Flug dürfen wir auf dem Gras neben ein paar anderen E-Klasse-Maschinen parken. Ansonsten herrscht auf dem Vorfeld gähnende Leere.


Das Wetter ist perfekt. 27°C und Sonne. Zu Fuß gehen wir ins Terminal. Hier ist Maskenpflicht und es stehen Handdesinfektionsmittel bereit.

Der Herr an der Kasse ist nett und lustig. 12,50€ kostet die Landung mit UL. Uns wird auch netterweise ein Taxi gerufen. Nach uns wird das Terminal geschlossen, denn von 12.00 bis 14.00 Uhr ist Mittagspause und der ganze Airport geschlossen.

Bis das Taxi da ist, schauen wir uns vor dem Terminal um. Ein bisschen heruntergekommen wirkt es dort schon.

Interessant allerdings ist die 150m vom Terminal entfernte Freiheitsstatue. Man wähnt sich schon ein bisschen wie in New York. Das ist aber auch kein Wunder, denn die Statue ist 1:1 dem Original von New York nachgebaut. Nur ist sie mit 12m nicht so groß wie ihr Pendant. Sie wurde im Jahr 2004 zum 100. Todestag des Künstlers Auguste Bartholdi, welcher hier in Colmar geboren wurde, errichtet. Es war kein geringerer als Bartholdi, der die New Yorker Freiheitsstatue Ende des 19. Jahrhunderts entworfen und gebaut hat.

Dann kommt unser Taxi in die Stadt. Eine blitzblanke Mercedes-Limousine mit einer netten Fahrerin. Die Fahrtzeit ist nicht lang, nur etwa 4km sind es vom Airport in die Stadt.

Gute zwei Stunden haben wir nun, um uns in der Stadt umzusehen.

 

Die Stadt hat wirklich Charme und beeindruckt mit vielen Fachwerkhäusern, bunten Farben und viel Deko. Das Viertel „Petite Venise“ durchziehen mehrere kleine Kanäle. Daher hat es auch seinen Namen: Klein Venedig.

Am Boden sehen wir immer wieder Pfeile mit der Freiheitsstatue. Diese zeigen in Richtung der verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Über unseren Köpfen ist des Öfteren Storchklappern zu hören. Es wundert uns daher nicht, dass fast jedes Souvenirgeschäft Plüschstörche oder andere Dinge mit Störchen verkauft.

In einem Restaurant probieren wir eine der vielen Spezialitäten der Region: einen Flamkuchen mit Munster-Käse, der in den Vogesen unweit von Colmar hergestellt wird. Äußerst deliziös!

Da wir aber heute noch nach Hause wollen, müssen wir wieder zurück zum Flieger. Um 14.45 Uhr kommt unsere Fahrerin pünktlich auf die Minute und bringt uns zurück zum Airport.

Unser Flugplan läuft für 15.15 Uhr. Um 15.12 Uhr startet Sven unseren Motor. Wenige Minuten später weist uns der TWR an: „D-BR, line up RWY 19 and wait!“ Vor uns geht noch ein Segelschlepp raus. Dann starten wir.

Erst geht es direkt auf die Innenstadt zu, dann dreht man nach links Richtung Osten ab.

Nach dem Verlassen der Platzrunde melde ich mich bei Bale Info an. Doch da wir nur noch wenige Minuten von der Grenze entfernt sind, werden wir gleich auf die nächste Frequenz verwiesen. So überfliegen wir den Rhein und die Grenze zu Deutschland.

Wie vermutet bekomme ich keinen Kontakt zu Langen Information. Die Funkabdeckung hier in diesem Bereich ist nicht gut. Entlang des Rheins und vorbei am Europapark Rust fliegen wir nach Norden.

Vor dem langen Heimflug nach Ampfing wollen wir noch einen Zwischenstopp machen. Da unter der Woche in dieser Region nicht viele Flugplätze geöffnet haben, ist Lahr (EDTL) unser Ziel. Lahr ist ein großer Business Airport mit CTR. ULs sind gerne willkommen. Über S1 dürfen wir in die CTR einfliegen, gleich danach direkt in den Endanflug auf die RWY 03. Diese ist mit 3000x45m stattlich groß.

Auf dem riesigen Vorfeld, auf dem rein gar nichts los ist, dürfen wir parken. Nur gut 20 Flugminuten sind es von Colmar hierher.

Dann geht es ohne Flugplan weiter. Um 16.15 Uhr starten wir auf RWY 03.

Nach der Hälfte der Bahn sind wir schon relativ hoch und können nach rechts zum Wegpunkt Echo abbiegen. Dann geht es auf 4700ft, um die Berge des Schwarzwaldes überfliegen zu können. Etwas weiter nördlich als unsere Flugroute am Morgen geht es mit gutem Rückenwind zurück nach Bayern. Durch eine Winddrehung gegen Mittag kommen wir in den Genuss, auf Hin- und Rückflug Rückenwind zu haben. So schaffen wir es in guten zwei Stunden zurück nach Ampfing. Dort landen wir nach gut sechs Motorlaufstunden über den Tag verteilt gegen 18.25 Uhr.

Wir stimmen überein: Colmar ist definitiv eine Reise wert und eignet sich auch hervorragend als Tagesausflug!